War die Geburt schwer? Wie sie sich auf Ihren Sex und Ihre Beziehung auswirkt

Quelle: International Society for Sexual Medicine
War die Geburt schwer? Wie sie sich auf Ihren Sex und Ihre Beziehung auswirkt
Foto: MabelAmber / Pixabay

Haben Sie sich jemals gefragt, ob sich eine schwere Geburt ein halbes Jahr später in Ihrem Schlafzimmer bemerkbar machen kann? Und nicht nur bei der Mutter, sondern auch beim Partner. Das klingt überraschend, aber neue Studien bestätigen: Ein traumatisches Geburtserlebnis kann das Sexualleben beider Elternteile beeinflussen. Und es geht nicht nur um die körperliche Erholung.

Warum möchte man nach einer schweren Geburt weniger Sex?

Nach der Geburt kämpfen viele Eltern mit psychischen Problemen: Depressionen, Angstzuständen und manchmal auch mit einer posttraumatischen Belastungsstörung im Zusammenhang mit der Geburt (PTBS). Diese Zustände stehen in direktem Zusammenhang mit der Sexualfunktion. Forscher haben festgestellt: Bei Müttern, die acht Wochen nach der Geburt mehr PTBS-Symptome aufwiesen, war die Sexualfunktion nach sechs Monaten geringer. Wie funktioniert das? Unser Gehirn verbindet Sex mit Gefahr: Erinnerungen an Schmerz, Angst und auch die Angst vor einer erneuten Schwangerschaft – all das kann den „Bedrohungsmodus“ aktivieren und Erregung, Lubrikation, Orgasmus und Lust beeinträchtigen.

Auch Väter sind betroffen: Wie das Geburtstrauma Männer beeinflusst

Und was ist mit dem Partner? Er hat nicht geboren, aber er erlebt es auch mit. Es zeigte sich: Wenn der nicht-gebärende Partner (in der Studie meist Männer) nach sechs Monaten PTBS-Symptome hatte, sank seine sexuelle Zufriedenheit. Warum? Die Wissenschaftler vermuten: Männer suchen bei psychischen Problemen seltener Hilfe, daher schlagen Depressionen und Angst stärker auf ihre sexuelle Zufriedenheit. Schuldgefühle und erhöhte Empathie für die Partnerin spielen ebenfalls eine Rolle.

Gute Nachrichten: Ihre Probleme sind nicht „ansteckend“ für den Partner

Überraschenderweise fand die Studie keinen direkten Zusammenhang: Wenn ein Partner PTBS-Symptome hatte, bedeutete das nicht, dass der andere automatisch eine geringere Sexualfunktion oder Zufriedenheit hatte. Die Forscher glauben, dass Paare sich einfach an die neuen Gegebenheiten anpassen und sich gegenseitig „schützen“. Wenn Sie sich also wegen Ihres Zustands Sorgen machen – machen Sie sich keine Vorwürfe, dass Sie dem Partner den Sex verderben. Wahrscheinlich versteht er oder sie Sie und stellt sich darauf ein.

Aber es gibt eine Einschränkung: Die Studie wurde in Deutschland durchgeführt

Es ist wichtig zu verstehen: Die Schlussfolgerungen basieren auf Daten aus Deutschland, daher sind sie möglicherweise nicht vollständig auf andere Länder und Kulturen übertragbar. Dennoch ist dies die erste Studie, die beide Partner im Kontext von postpartaler PTBS und sexuellem Wohlbefinden untersucht hat.

Was tun, wenn Sie sich wiedererkennen?

Wenn die traumatische Geburt Spuren hinterlassen hat und Ihr Intimleben beeinträchtigt, schweigen Sie nicht. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, oder besser: Wenden Sie sich an einen Sexualtherapeuten oder Psychotherapeuten. Das ist nichts Beschämendes und es funktioniert wirklich. Sie sind nicht allein, und Hilfe ist verfügbar.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Parents’ Postpartum Sexual Well-Being After Traumatic Birth Experience — International Society for Sexual Medicine