Sex macht keinen Spaß mehr? Wissenschaftler haben drei Hauptursachen gefunden – und eine wird Sie überraschen

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Sex macht keinen Spaß mehr? Wissenschaftler haben drei Hauptursachen gefunden – und eine wird Sie überraschen
Foto: secondfromthesun0 / Pixabay

Warum die Lust verloren geht – und wer zur Risikogruppe gehört

Wenn Sie jemals das Gefühl hatten, dass Sex zur Last geworden ist und Gespräche darüber nur Irritation oder Angst auslösen, sind Sie nicht allein. Wissenschaftler einer Klinik für sexuelle Gesundheit wollten herausfinden, was am häufigsten hinter einem solchen Zustand steckt. Sie untersuchten die Geschichten von 484 Frauen, die Hilfe suchten, und entdeckten drei Dinge, die am stärksten mit sexuellem Distress zusammenhängen. Spoiler: Schmerzen beim Sex sind nicht darunter.

Was ist sexueller Distress überhaupt

Es ist nicht einfach nur ein vermindertes Verlangen. Es ist der Zustand, in dem Sie erheblichen Stress, Kummer oder Angst wegen Ihres Sexuallebens empfinden. Eine Person kann Nähe wünschen, aber keine Lust empfinden oder Intimität ganz vermeiden – und darunter leiden. Die Forscher verwendeten einen speziellen Fragebogen (die überarbeitete Skala für weiblichen sexuellen Distress), um zu messen, wie stark die Frauen darunter litten.

Die drei Hauptverursacher – und einer, der nicht offensichtlich ist

Den ersten Platz belegte erwartungsgemäß das verminderte sexuelle Verlangen (hypoaktive Störung). Bei Frauen mit dieser Diagnose waren die Distress-Werte deutlich höher. An zweiter Stelle standen Angst- und Depressionssymptome, aber interessant: Als die Wissenschaftler alle Faktoren gemeinsam berücksichtigten, verschwand ihr eigenständiger Einfluss. Das bedeutet, dass Depression und Angst wahrscheinlich mit anderen Problemen einhergehen und nicht allein wirken. Die dritte Ursache war jedoch weniger offensichtlich: traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit – körperliche, emotionale oder sexuelle Gewalt. Dabei erwies sich eine Geschichte sexueller Gewalt als unabhängiger Prädiktor für starken Distress, selbst unter Berücksichtigung aller anderen Faktoren.

Und was ist mit Schmerzen beim Sex?

Überraschenderweise zeigten Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) in dieser Analyse keinen signifikanten Zusammenhang mit Distress. Die Forscher vermuten, dass Schmerzen möglicherweise durch andere Faktoren maskiert werden – etwa durch vermindertes Verlangen oder Trauma. Wenn Sie also Schmerzen haben, aber keinen starken Stress empfinden, bedeutet das nicht, dass das Problem unwichtig ist. Es kann sich einfach anders äußern.

Wer besonders aufmerksam sein sollte

Die Studie zeigte: Frauen unter 40 Jahren berichteten über ein höheres Distress-Niveau als ältere. Die Menopause selbst war jedoch nicht mit verstärkten Beschwerden verbunden. Das Alter ist also kein Urteil, aber jüngere Frauen sollten möglicherweise besonders auf ihre sexuelle Gesundheit achten. Wichtig ist auch: Fast alle Teilnehmerinnen waren weiß, sodass die Ergebnisse nicht universell sein könnten – es braucht größere Studien mit unterschiedlicher Zusammensetzung.

Was tun, wenn es Sie betrifft

Die wichtigste Schlussfolgerung: Sexueller Distress ist keine „Laune“ und kein „Bei dir ist alles in Ordnung“. Es ist ein Zustand, der die Aufmerksamkeit eines Expertenteams verdient. Idealerweise nicht nur eines Gynäkologen, sondern auch eines Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und eines Spezialisten für soziale Unterstützung. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, beginnen Sie mit einem Gespräch mit Ihrem Arzt. Fragen Sie nach möglichen Diagnosen, die Ihnen unbekannt sein könnten, besonders wenn es eine Trauma-Vorgeschichte gibt. Und denken Sie daran: Der Verlust des Verlangens ist kein persönliches Versagen, sondern ein Symptom, an dem man arbeiten kann und sollte.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Associations between female sexual distress, genitourinary diagnoses, and mental health in a sexual health clinic population: a single-center retrospective review. — U.S. National Library of Medicine