Unterleibsschmerzen verändern das Verhältnis zum eigenen Körper: Was eine Studie zeigte

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Unterleibsschmerzen verändern das Verhältnis zum eigenen Körper: Was eine Studie zeigte
Foto: StockSnap / Pixabay

Haben Sie sich jemals dabei ertappt, dass Sie denken, Ihr Körper lässt Sie im Stich? Besonders wenn er schmerzt – jeden Monat, jeden Tag, ohne Pause. Frauen mit Endometriose und anderen chronischen Beckenschmerzen fühlen sich oft als Geiseln des eigenen Körpers. Aber es stellte sich heraus, dass es nicht nur um körperliches Unbehagen geht. Wissenschaftler fanden heraus: Diese Frauen haben eine deutlich schlechtere Einstellung zu ihrem Körper als gesunde Frauen. Und das ist nicht nur Traurigkeit – es ist etwas, das man bearbeiten kann und sollte.

Was ist das für ein Schmerz – Beckenschmerz?

Es geht um Zustände, bei denen Schmerzen im Unterbauch oder im Beckenbereich monate- oder jahrelang nicht verschwinden. Das bekannteste Beispiel ist Endometriose, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Es gibt aber auch andere – zum Beispiel Vulvodynie, bei der Schmerzen im Bereich der Vulva ohne erkennbare Ursache auftreten. Zusammen nennt man sie chronische Beckenschmerzen. Und das ist keine Seltenheit: Millionen von Frauen weltweit leben mit diesen Schmerzen, oft jahrelang ohne Diagnose.

Was genau zeigte die Studie?

Die Wissenschaftler sammelten und analysierten 22 qualitative Studien mit mehr als 7600 Frauen. Und das wichtigste Ergebnis: Bei Frauen mit Beckenschmerzen treten Probleme mit dem Körperbild deutlich häufiger auf als bei gesunden Frauen. Der Effekt ist moderat, aber stabil. Einfach gesagt: Wenn Sie chronische Schmerzen haben, bewerten Sie Ihren Körper wahrscheinlich schlechter, als Sie es ohne Schmerzen täten. Dabei geht es nicht nur um das Aussehen – sondern um alles: Gewicht, Form, das Gefühl von "Normalität".

Warum passiert das?

Die Autoren vermuten, dass es am ständigen Hintergrund liegt: Der Schmerz erinnert jeden Tag an sich selbst, und der Körper beginnt, mit Leiden assoziiert zu werden. Sie schauen in den Spiegel und sehen nicht sich selbst, sondern die Schmerzquelle. Dazu kommt die Unfähigkeit, das zu tun, was man möchte: Sport treiben, Lieblingskleidung tragen, sogar einfach ohne Unbehagen sitzen. All das schlägt auf das Selbstwertgefühl.

Die Forscher bemerkten: Die Einstellung zum Körper ist eng verbunden mit Angst, Depression, Einsamkeitsgefühlen und sexuellen Problemen. Wenn eine Frau sich für ihren Körper schämt oder das Gefühl hat, dass er sie verrät, wirkt sich das sowohl auf die Intimität mit dem Partner als auch auf die allgemeine Stimmung aus. Es entsteht ein Teufelskreis: Schmerz verschlechtert das Körperbild – ein schlechtes Körperbild verstärkt Stress – Stress verstärkt Schmerz.

Was ist der Ausweg?

Einer der interessantesten Befunde ist das Konzept der "Körperfunktionalität". Es geht nicht darum, wie der Körper aussieht, sondern was er kann: atmen, sich bewegen, umarmen, lachen. Die Forscher vermuten, dass man den negativen Einfluss von Schmerz abschwächen kann, wenn man den Fokus von Aussehen auf Funktionen verlagert. Zum Beispiel statt "Mein Bauch entstellt mich" – "Mein Körper hilft mir, jeden Tag aufzustehen und zum Arzt zu gehen". Dankbarkeit gegenüber dem Körper für etwas Konkretes zu praktizieren, kann ein erster Schritt sein.

Natürlich ersetzt das keine Behandlung. Aber wenn Sie mit chronischen Schmerzen leben, versuchen Sie zu bemerken, wie Sie über Ihren Körper sprechen. Und wenn Sie sich bei ständiger Kritik ertappen – besprechen Sie das mit einem Psychologen oder in einer Selbsthilfegruppe. Das ist keine Schwäche, sondern Teil der Genesung. Umso mehr, als die Wissenschaftler anerkennen: Die Qualität vieler Studien ist noch nicht ideal, und es braucht neue – mit präziseren Fragebögen und langfristiger Beobachtung. Aber die ersten Daten gibt es bereits, und sie machen Hoffnung: Das Körperbild ist kein Urteil, es kann verändert werden.

Was tun Sie morgen?

Wenn Sie Endometriose oder andere Beckenschmerzen haben, versuchen Sie eine einfache Übung: Schreiben Sie drei Dinge auf, die Ihr Körper Ihnen trotz Schmerz ermöglicht. Das kann alles sein – von Umarmungen mit Ihrem Kind bis zur Arbeit, die Sie lieben. Wiederholen Sie das öfter. Und denken Sie daran: Sie sind nicht allein, und es ist nicht "nur im Kopf". Probleme mit dem Körperbild bei diesen Frauen sind Realität, und sie kann verändert werden.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Body image concerns in individuals with endometriosis and chronic pelvic pain conditions: A systematic review and meta-analysis. — U.S. National Library of Medicine