Sex vor der Abreise ins Ausland: Warum Studierende darüber schweigen und was man dagegen tun kann
Sie haben den Koffer gepackt, das Ticket gekauft und freuen sich auf ein neues Leben. Aber es gibt ein Thema, über das die meisten Studierenden lieber schweigen. Es geht um sexuelle Gesundheit. Und das ist ein Fehler: Das Risiko, sich in einem fremden Land eine Infektion einzufangen, ist höher, als man denkt. Eine neue Studie australischer Wissenschaftler hat herausgefunden, warum junge Menschen die Beratung vor der Abreise ignorieren und wie man das ändern kann.
Warum schweigen alle?
Die Wissenschaftler sprachen mit fünfzehn internationalen Studierenden an einer australischen Universität. Es stellte sich heraus, dass die meisten von ihnen noch nie davon gehört hatten, dass man vor der Reise eine Beratung zur sexuellen Gesundheit erhalten kann. Und es liegt nicht nur an Unwissenheit. Die Studierenden nannten drei Haupthindernisse, die sie davon abhalten, sich bereits im Heimatland Hilfe zu suchen.
Das erste ist einfach mangelndes Bewusstsein. Viele wissen nicht, wohin sie gehen und was sie fragen sollen. Das zweite sind kulturelle und religiöse Tabus. In einigen Ländern ist es nicht üblich, offen über Sex zu sprechen, besonders mit Fremden. Das dritte Hindernis ist psychologischer Natur: Scham, Angst vor Verurteilung, Befangenheit. Es scheint, dass alle sofort wissen, dass man Sex haben möchte, wenn man mit einer solchen Frage zum Arzt geht. Und das ist unangenehm.
Nach der Ankunft wird es nicht einfacher
Man könnte meinen, in einem neuen Land kann man von vorne anfangen. Aber auch hier gibt es Probleme. Die Studierenden berichteten, dass es schwierig ist, sich im lokalen Gesundheitssystem zurechtzufinden: Es ist unklar, zu wem man gehen soll, was es kostet und wie man einen Termin vereinbart. Und die alten Barrieren verschwinden nicht, sondern verändern sich nur. Kulturelle und religiöse Einschränkungen bleiben bestehen, und das psychologische Unbehagen verstärkt sich durch die Sprachbarriere.
Was kann man tun?
Die Studierenden selbst schlugen einige Ideen vor, die helfen könnten. Erstens, sexuelle Aufklärung in das Bildungsprogramm im Heimatland aufzunehmen. Zweitens, spezielle Briefings vor der Abreise durchzuführen, bei denen man Informationen erhalten und Fragen stellen kann. Und drittens, Beratungen über bereits bestehende Kanäle zugänglich zu machen – zum Beispiel über Universitäten oder Migrationsdienste.
Die Forscher fügen hinzu, dass die Dienstleistungen kultursensibel sein sollten, das heißt, die Besonderheiten verschiedener Nationalitäten berücksichtigen sollten. Außerdem ist es wichtig, klar zu erklären, welche Dienstleistungen verfügbar sind und wie man sie nutzen kann. Das würde die Barriere des Unwissens verringern und den Studierenden helfen, sich sicherer zu fühlen.
Was sollten Sie also tun?
Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, im Ausland studieren möchte, scheuen Sie sich nicht. Informieren Sie sich vor der Abreise über sexuelle Gesundheit im Zielland. Finden Sie heraus, wo Sie sich auf Infektionen testen lassen können, wie Sie eine Beratung erhalten und welche Vorsichtsmaßnahmen Sie beachten sollten. Denken Sie daran: Ihre Gesundheit ist Ihre Verantwortung, und Befangenheit hilft hier nicht weiter. Besser einmal fragen und beruhigt sein, als später zu rätseln, was zu tun ist.
Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Originalbeitrag: Pre-travel sexual health advice for international students: exploring awareness, access, barriers, and ways to improve access in Australia. — U.S. National Library of Medicine

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