Hormontherapie nach den Wechseljahren: Wovor Frauen Angst haben und was die Zahlen sagen

Quelle: International Society for Sexual Medicine
Hormontherapie nach den Wechseljahren: Wovor Frauen Angst haben und was die Zahlen sagen
Foto: VinzentWeinbeer / Pixabay

Stellen Sie sich vor: Sie haben die Wechseljahre hinter sich, und plötzlich wird die Welt grau – mal Hitzewallungen, mal Schlaflosigkeit, mal ist die Stimmung im Keller. Der Arzt schlägt eine Hormontherapie vor, und Sie erstarren: „Und was ist mit Brustkrebs?“ Diese Angst kennen fast alle. Doch was steckt wirklich dahinter? In der neuen Folge des Podcasts der International Society for Sexual Medicine (ISSM) analysiert der führende Wechseljahres-Experte James Simon dieses Thema ohne Panik und ohne Beschönigung.

Warum haben wir überhaupt Angst vor Hormonen?

Simon erklärt: Die Angst vor der Hormontherapie wird maßgeblich durch Geschichten aus der Vergangenheit genährt. Früher lieferten Studien widersprüchliche Ergebnisse, und die Frauen behielten eines in Erinnerung: Hormone gleich Krebs. Doch die moderne Wissenschaft betrachtet das anders. Der Experte betont: Der Schlüssel liegt nicht in der Frage „Nehmen oder nicht nehmen?“, sondern darin, für wen welche Hormone geeignet sind.

Was passiert mit dem Körper nach den Wechseljahren?

Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, und das wirkt sich auf alles aus: von der Körpertemperatur über die Stimmung bis zum sexuellen Verlangen. Simon vergleicht das damit, wenn im Auto plötzlich die Hälfte der Systeme abgeschaltet würde – der Motor läuft, aber das Fahren ist unangenehm. Eine Hormontherapie hilft, das Gleichgewicht wiederherzustellen, aber sie ist nicht für alle und nicht immer geeignet.

Wirkt sie überhaupt?

Ja, aber mit Einschränkungen. Der Experte betont die Bedeutung eines individuellen Ansatzes: Der Arzt muss die Krankengeschichte, Risiken und Bedürfnisse der Frau bewerten. Wenn zum Beispiel Hitzewallungen und Nachtschweiß die Hauptbeschwerden sind, kann die Therapie sehr wirksam sein. Wenn das Hauptproblem jedoch Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex ist, kann der Arzt lokale Mittel empfehlen statt systemischer Hormone.

Zahlen, die man kennen sollte

Simon merkt an: Das Brustkrebsrisiko bei moderner Therapie mit natürlichen Hormonen und richtiger Auswahl ist viel geringer, als oft befürchtet. Die genauen Zahlen hängen von der Art der Behandlung und der Dauer ab, aber wichtig ist zu verstehen: Für viele Frauen überwiegt der Nutzen die Risiken. Der Experte warnt jedoch: Es gibt nicht „eine Pille für alle“, und Selbstmedikation ist die schlechteste Option.

Was sollten Sie jetzt tun?

Wenn Sie über eine Hormontherapie nachdenken, hier ein Plan: Suchen Sie einen Arzt, der sich auf Wechseljahre spezialisiert hat (Gynäkologe oder Endokrinologe). Stellen Sie ihm Fragen: Welche Risiken habe ich? Welche Hormonformen empfehlen Sie und warum? Was passiert, wenn ich mich nicht behandeln lasse? Und denken Sie daran: Was Ihrer Freundin geholfen hat, kann Ihnen schaden.

Vorsicht: Glauben Sie nicht allem, was im Internet steht

Simon erinnert daran: Es gibt viele „Wundermittel“ und alternative Methoden, die dasselbe versprechen wie Hormone, aber ohne Risiko. Seiner Meinung nach basieren die meisten dieser Mittel nicht auf wissenschaftlicher Evidenz. Das Bewährte vom Unsinn zu unterscheiden, ist Aufgabe sowohl des Arztes als auch der Frau selbst. Fragen Sie: „Auf welchen Studien basiert das?“ – und wenn es keine Antwort gibt, ziehen Sie Ihre Schlüsse.

Hormone sind weder das Böse noch ein Allheilmittel. Sie sind ein Werkzeug, das in erfahrenen Händen die Lebensqualität zurückbringen kann, in unerfahrenen aber schaden kann. Lassen Sie nicht zu, dass Angst Sie davon abhält, sich wohlzufühlen.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Episode 57: News on female hormonal treatment — International Society for Sexual Medicine