Wie Kokain und Crack vor dem Sex die Sicherheit beeinflussen: Was eine Studie zeigte

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Wie Kokain und Crack vor dem Sex die Sicherheit beeinflussen: Was eine Studie zeigte
Foto: Surprising_Media / Pixabay

Stellen Sie sich vor: Sie haben jemanden in einer Bar kennengelernt, der Funke ist übergesprungen, und schon sind Sie zu Hause. Aber anstatt an ein Kondom zu denken, greifen Sie zu einem Joint oder einer Line. Kommt Ihnen das bekannt vor? Und nun die Frage: Beeinflusst das Ihre Sicherheit? Wissenschaftler aus Brasilien wollten herausfinden, wie sich der Konsum von Drogen vor dem Sex auf die Kondomnutzung bei transgender Frauen und Travestis auswirkt. Und die Ergebnisse waren nicht so eindeutig, wie man erwarten könnte.

Was für eine Studie und wer hat teilgenommen

An der Studie TransOdara, die von 2019 bis 2021 durchgeführt wurde, nahmen 533 transgender Frauen und Travestis aus Brasilien teil. Alle gaben an, in den letzten sechs Monaten sexuelle Kontakte mit Gelegenheitspartnern gehabt zu haben. Und dabei zeigte sich: Fast die Hälfte von ihnen (47,8 %) hatte im letzten Jahr Marihuana konsumiert, 37,3 % Kokain und 8,1 % Crack. Viele konsumierten direkt vor oder während des Geschlechtsverkehrs.

Kokain und Crack – Feinde der Kondome?

Die wichtigste Nachricht: Der Konsum von Kokain oder Crack während des Sex ist damit verbunden, dass Menschen seltener Kondome verwenden. Die Zahlen sprechen für sich: Wenn Sie Kokain konsumiert haben, steigt die Wahrscheinlichkeit für ungeschützten Sex mit einem Gelegenheitspartner um etwa 40 %. Bei Crack ist die Situation ähnlich – ebenfalls etwa 40 %. Dabei handelt es sich nicht um einen Zufall: Die Forscher berücksichtigten andere Faktoren, die das Ergebnis hätten beeinflussen können, aber der Zusammenhang blieb bestehen.

Und Cannabis? Eine Überraschung!

Bei Marihuana ist es jedoch anders. Auf den ersten Blick könnte es ebenfalls entspannen und die Vorsicht senken. Aber die Statistik zeigt: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis vor dem Sex und dem Verzicht auf Kondome. Das heißt, Menschen, die kiffen, verhüten weder häufiger noch seltener als diejenigen, die nichts konsumieren. Das ist eine wichtige Nuance, die zeigt: Nicht alle Substanzen wirken gleich.

Warum das nicht für alle gilt und kein Urteil ist

Gleich vorweg: Diese Studie wurde in einer spezifischen Gruppe durchgeführt – transgender Frauen und Travestis in Brasilien. Das bedeutet nicht, dass es bei allen anderen genauso ist. Und vor allem: Die Studie beweist nicht, dass Drogen dazu zwingen, auf Kondome zu verzichten. Möglicherweise liegt es daran, dass Menschen, die zu risikoreichem Verhalten neigen, sowohl häufiger Stimulanzien konsumieren als auch den Schutz vergessen. Aber der Zusammenhang besteht, und man darf ihn nicht ignorieren.

Was tun mit diesen Informationen?

Wenn Sie sich gelegentlich Kokain oder Crack vor dem Sex erlauben, sollten Sie darüber nachdenken: Gehen Sie vielleicht mehr Risiken ein, als Sie denken? Vielleicht ist es besser, Kondome im Voraus vorzubereiten und mit dem Partner zu vereinbaren, um nicht der Impulsivität nachzugeben. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass Drogen Sie daran hindern, auf Ihre Gesundheit zu achten, ist es vielleicht an der Zeit, mit einem Spezialisten zu sprechen. In jedem Fall gilt: Wissen ist Macht, und jetzt haben Sie einen Grund, nachzudenken.

Ehrlich über die Grenzen der Studie

Es ist wichtig zu verstehen: Dies ist eine Querschnittsstudie, das heißt, sie zeigt ein Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wir können nicht sagen, dass genau die Drogen den Kondomverzicht verursachen. Möglicherweise spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Stigmatisierung, Gewalt, mangelnder Zugang zu medizinischer Versorgung. Aber die Tatsache bleibt bestehen: In dieser Gruppe ist der Konsum von Stimulanzien während des Sex mit weniger sicherem Sex verbunden. Das ist ein Signal für Ärzte und Sozialarbeiter – man sollte mit Patienten nicht nur über sexuell übertragbare Krankheiten sprechen, sondern auch über Substanzen, die Entscheidungen beeinflussen können.

Wenn Sie also auf Ihre Gesundheit und die Ihres Partners achten möchten, sollten Sie vielleicht Ihre Gewohnheiten überdenken. Oder zumindest Kondome griffbereit halten. Passen Sie auf sich auf.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Cannabis, Cocaine and Crack Before or During Sex and Inconsistent Condom Use with Casual Partners Among Transgender Women in Brazil: A Cross-Sectional Study. — U.S. National Library of Medicine