Mykoplasmen oder Ureaplasmen im Urin gefunden: Was bedeutet das und sollten Sie in Panik geraten?
Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Test gemacht, und eine Woche später kratzt sich der Arzt verwirrt am Kopf und sagt: „Sie haben Mykoplasmen.“ Kommt Ihnen bekannt vor? Viele geraten sofort in Panik und denken an Schreckensgeschichten über Infektionen. Aber so schlimm ist es nicht. Lassen Sie uns klären, was Mykoplasmen und Ureaplasmen überhaupt sind und warum sie in Ihrem Test aufgetaucht sind.
Nicht ganz gewöhnliche Bakterien
Mykoplasmen und Ureaplasmen sind Bakterien ohne Zellwand. Das klingt langweilig, aber genau diese Eigenschaft macht sie so widerstandsfähig und resistent gegen die meisten Antibiotika. Normale Medikamente „greifen“ die Zellwand an, aber hier gibt es sie einfach nicht. Daher können sie nur mit drei Antibiotikagruppen behandelt werden, und auch das nicht immer erfolgreich.
Diese Bakterien leben auf Schleimhäuten – im Mund, in der Nase, an den Geschlechtsorganen. Und hier ist der wichtige Punkt: Sie können Teil Ihrer normalen Mikroflora sein, und Sie wissen nicht einmal von ihrer Existenz. Aber es gibt vier Stämme, die Probleme verursachen können: Mycoplasma genitalium, Mycoplasma hominis, Ureaplasma parvum und Ureaplasma urealyticum.
Männer: Wenn etwas schiefgeht
Bei Männern machen sich diese Bakterien häufiger bemerkbar. Die Symptome können denen von Gonorrhö oder Chlamydiose ähneln: Schmerzen beim Wasserlassen, Juckreiz in der Harnröhre, Ausfluss. Dabei ist Mycoplasma genitalium – nach Chlamydien – die zweithäufigste Ursache für Urethritis (Entzündung der Harnröhre). Bei Männern, die Sex mit Männern haben, kann es zu einer Entzündung des Enddarms kommen.
Frauen: Heimtückische Schweigerinnen
Bei Frauen ist es kniffliger. Oft verursachen diese Bakterien keine Symptome, daher werden sie seltener entdeckt. Aber wenn sie aktiv werden, können ernstere Probleme auftreten: Zystitis, Entzündungen im Beckenbereich, Endozervizitis (Gebärmutterhalsentzündung) mit Ausfluss und Schmerzen. Mycoplasma hominis wird mit bakterieller Vaginose in Verbindung gebracht.
Schlimmer noch: Studien zeigen, dass ein hoher Gehalt an Mycoplasma hominis in der Vagina mit einer erhöhten HIV-Ausscheidung bei infizierten Frauen verbunden sein kann. Das bedeutet, dass das Risiko, das Virus an den Partner weiterzugeben, in diesem Moment höher ist. Aber das heißt nicht, dass Mykoplasmen HIV verursachen – sie verschlimmern nur die Situation.
Und was nun?
Das Wichtigste ist, nicht voreilig in Panik zu geraten. Erstens: Mykoplasmen und Ureaplasmen müssen oft gar nicht behandelt werden, wenn keine Symptome vorliegen. Sie leben einfach und stören nicht. Zweitens: Wenn Sie Beschwerden haben – Schmerzen, Ausfluss, Blasenprobleme –, muss der Arzt herausfinden, was genau die Entzündung verursacht, und ein passendes Antibiotikum verschreiben. Aber seien Sie vorbereitet: Wegen der Resistenz gegen Medikamente kann das Behandlungsschema komplex sein und nicht beim ersten Mal anschlagen.
Wenn Sie unangenehme Symptome im Intimbereich oder Probleme beim Wasserlassen bemerken, schieben Sie den Arztbesuch nicht auf. Besonders wenn Sie zur Risikogruppe für sexuell übertragbare Krankheiten gehören. Und denken Sie daran: Diese Bakterien werden sexuell übertragen, daher sollten Sie mit Ihrem Partner über Untersuchung und gemeinsame Behandlung sprechen, um die Infektion nicht im Kreis zu schleppen.
Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Originalbeitrag: What Does It Mean When There Is Mycoplasma or Ureaplasma in a Urine Sample? — International Society for Sexual Medicine

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