Probleme im Bett bei Männern über 65: unerwarteter Zusammenhang mit Abhängigkeiten

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Probleme im Bett bei Männern über 65: unerwarteter Zusammenhang mit Abhängigkeiten
Foto: Pexels / Pixabay

Stellen Sie sich vor: ein Mann über 65 mit Erektionsproblemen. Er geht zum Arzt, erhält eine Diagnose, möglicherweise eine Behandlung. Doch was passiert als Nächstes? In den folgenden drei Jahren hat er ein deutlich höheres Risiko, eine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln oder Schmerzmitteln zu entwickeln. Klingt seltsam? Auch Wissenschaftler waren überrascht.

Warum das wichtig ist

Erektionsprobleme sind nicht nur eine Frage des Sex. Sie sind ein Marker für die allgemeine Gesundheit: Oft hängen sie mit Herz, Gefäßen, Diabetes und Depressionen zusammen. Und all diese Zustände haben gemeinsame Wurzeln mit Abhängigkeiten. Aber bisher hat kaum jemand untersucht, wie eins das andere im Laufe der Zeit nach sich zieht.

Was die Forscher herausfanden

Sie nutzten eine riesige Datenbank amerikanischer Krankenhäuser – mit über 320.000 Männern. Die Hälfte hatte die Diagnose erektile Dysfunktion, die andere Hälfte nicht. Sie verglichen nach Alter und Ethnie, um Störfaktoren auszuschließen. Und sie beobachteten die Männer drei Jahre lang.

Die Ergebnisse unterschieden sich nach Altersgruppen. Bei Männern über 65 mit Erektionsproblemen war das Risiko für den Missbrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln um das 2,28-fache erhöht – fast zweieinhalb Mal so hoch! Das Risiko einer Opioidabhängigkeit (starke Schmerzmittel) war um das 1,7-fache erhöht, das für Kokain um das 2,3-fache.

Bei Männern zwischen 40 und 64 Jahren sah das Bild anders aus: etwas höheres Risiko für den Missbrauch von Marihuana und anderen psychoaktiven Substanzen, aber dafür ein geringeres Risiko für Nikotin. Bei den jüngsten Männern (20–39 Jahre) mit erektiler Dysfunktion war das Risiko für Opioid- und Stimulanzienabhängigkeit deutlich geringer – wie ein Schutzeffekt.

Was das in der Praxis bedeutet

Ältere Männer mit Erektionsproblemen sind eine verletzliche Gruppe. Möglicherweise beginnen sie, Schlafmittel zu nehmen, um ihre Angst vor sexuellem Versagen zu bewältigen, und können dann nicht mehr aufhören. Oder der Arzt verschreibt Schmerzmittel aus anderen Gründen, und die Abhängigkeit entwickelt sich schneller.

Wichtig: Das bedeutet nicht, dass jeder ältere Mann mit dieser Diagnose zum Süchtigen wird. Aber Ärzte sollten aufmerksamer sein: ältere Patienten nach den Medikamenten fragen, die sie einnehmen, und über die Risiken informieren.

Und was ist mit den Jüngeren?

Bei jungen Männern ist der Zusammenhang umgekehrt – möglicherweise suchen sie seltener einen Arzt wegen Erektionsproblemen auf, und wenn doch, führen sie einen gesünderen Lebensstil. Oder sie haben andere Ursachen für die Probleme, die nichts mit Psychologie zu tun haben.

Die Studie hat Einschränkungen: Die Daten stammen aus Krankenhäusern, es könnte Fehler bei der Kodierung geben, und wir wissen nicht, ob die Männer eine Behandlung gegen erektile Dysfunktion erhielten. Aber die Stichprobe ist riesig, also verdienen die Ergebnisse Aufmerksamkeit.

Was tun, wenn es Sie oder einen Angehörigen betrifft

Wenn ein Mann über 60 beginnt, Erektionsprobleme zu haben, ist es wichtig, sie nicht zu verschweigen, sondern zum Arzt zu gehen. Gleichzeitig sollte man darauf achten, welche Tabletten er einnimmt – insbesondere Schlaf- und Schmerzmittel. Sprechen Sie offen mit dem Arzt darüber.

Und denken Sie daran: Sexuelle Gesundheit ist Teil der allgemeinen Gesundheit. Für sich selbst im Bett zu sorgen, bedeutet, für sich selbst im Leben zu sorgen.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Erectile dysfunction and subsequent substance abuse: a retrospective cohort study of US non-academic hospitals. — U.S. National Library of Medicine