Vorzeitiger Samenerguss: Wie er die Partnerin trifft und was man dagegen tun kann

Quelle: International Society for Sexual Medicine
Vorzeitiger Samenerguss: Wie er die Partnerin trifft und was man dagegen tun kann
Foto: Vitaly Gariev / Pexels

Stellen Sie sich vor: Sie und Ihr Partner sind im Bett, alles läuft wunderbar, aber das Finale kommt zu schnell. Beide tun so, als wäre nichts passiert, aber innerlich hat jeder seine eigenen Gefühle. Bei ihm – Scham und Schuldgefühle, bei ihr – Verwirrung und möglicherweise Kränkung. Kommt Ihnen das bekannt vor? Es zeigt sich, dass das Problem des vorzeitigen Samenergusses (PE) nicht nur eine „männliche“ Schwierigkeit ist, sondern direkt die Partnerin und die Beziehung als Ganzes trifft. Dies zu ignorieren bedeutet, etwas Wichtiges zu verpassen.

Was fühlt die Partnerin?

Wenn sich PE immer wiederholt, kann die Frau anfangen, an ihrer Attraktivität zu zweifeln. Sie denkt sich: „Vielleicht will er mich einfach nicht?“, „Vielleicht errege ich ihn nicht?“ Sie kann das Interesse an Sex verlieren, weil sie keine Befriedigung bekommt, und das entwickelt sich oft zu Spannungen im Paar. Emotional leidet sie ebenfalls: Es entstehen Angst, Gereiztheit, manchmal sogar Distanziertheit. Und wichtig – ihre Sorge ist nicht geringer als die des Mannes, nur bemerkt er das vielleicht nicht.

Warum Schweigen der Hauptfeind ist

Der häufigste Irrglaube ist, dass man über PE schweigen sollte, um den Mann nicht zu verletzen. Aber gerade das Nicht-Aussprechen schafft eine Kluft. Sie denkt, er sei gleichgültig, er denkt, sie verurteile ihn. Am Ende leiden beide allein, und die Beziehung kriselt. Experten sind sich einig: Reden ist der erste Schritt zur Lösung. Wenn das Paar das Problem offen bespricht, ohne Vorwürfe, lässt die Anspannung nach, und es entsteht die Möglichkeit zu handeln.

Das Geheimnis, das alles verändert

Die Gynäkologin und Sexualtherapeutin Estela Citrin teilt in einem ISSM-Podcast einen unerwarteten Tipp: Hören Sie auf, Sex als Ausdauerprüfung zu betrachten. Verlagern Sie den Fokus von „länger durchhalten“ auf Vergnügen und Nähe. Das mag banal klingen, funktioniert aber: Wenn beide Partner aufhören, sich auf die Dauer des Akts zu fixieren, und beginnen, Freude an Zärtlichkeiten, Küssen und gegenseitiger Aufmerksamkeit zu haben, sinkt der Druck, und das Problem verschwindet oft von selbst.

Behandeln heißt gemeinsam behandeln

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Partnerin sollte in die Therapie einbezogen werden. Nicht weil mit ihr etwas nicht stimmt, sondern weil sie Teil des Teams ist. Wenn die Frau zur Beratung kommt oder zumindest an der Besprechung des Behandlungsplans teilnimmt, hilft ihr das, sich als Stütze zu fühlen, nicht als Opfer. Gemeinsame Therapieansätze sind effektiver: Die Partnerin kann Hinweise geben, was funktioniert und was nicht, und den Mann unterstützen, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Was Sie schon morgen tun können

Wenn Sie sich in dieser Geschichte wiedererkennen, warten Sie nicht, bis es sich von selbst löst. Beginnen Sie klein: Wählen Sie einen Moment außerhalb des Schlafzimmers und fragen Sie Ihren Partner behutsam, was er fühlt. Oder geben Sie selbst zu, was Sie beschäftigt. Sammeln Sie keine Kränkungen in einem Sparschwein – sie verderben und zerstören selbst die stärkste Verbindung. Gemeinsam können Sie einen Sexualtherapeuten oder Urologen aufsuchen, der Methoden auswählt – von Verhaltenstechniken bis zu Medikamenten. Das Wichtigste ist, sich zu erinnern: PE ist kein Urteil, sondern eine Aufgabe, die zwei gemeinsam lösen.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Episode 64: PE impact on the partner — International Society for Sexual Medicine