Warum man über „Frauenprobleme“ im Bett selbst mit dem Arzt noch immer schweigt

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Warum man über „Frauenprobleme“ im Bett selbst mit dem Arzt noch immer schweigt
Foto: TungArt7 / Pixabay

Sind Sie schon einmal aus der gynäkologischen Praxis gegangen mit dem Gefühl, das Wesentliche gar nicht gesagt zu haben? Unangenehm, beängstigend, „vielleicht geht es nur mir so“. Dabei ist das, was Sie erleben – verminderte Lust, Trockenheit, Schmerzen beim Eindringen oder Schwierigkeiten beim Orgasmus – keine seltene Merkwürdigkeit, sondern ein Zustand, der einen Namen und einen Behandlungsansatz hat.

Vier Probleme, über die man nicht laut spricht

In einer Übersichtsarbeit aus dem Bereich der Sexualmedizin werden die wichtigsten Gruppen von Störungen bei Frauen aufgeführt: verminderte sexuelle Lust, Probleme mit Erregung und Befeuchtung (oft im Zusammenhang mit der Menopause), Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen, sowie Schmerzen im Beckenbereich oder beim Eindringen. Der Autor betont: Das ist keine „Marotte“ und kein „einfach müde“, sondern ein Zustand, der die Lebensqualität beeinflusst.

Was man anders machen sollte

Die Internationale Gesellschaft für das Studium der weiblichen sexuellen Gesundheit besteht auf einem ganzheitlichen Ansatz. Der Arzt sollte nicht darauf warten, dass die Patientin selbst das Gespräch über Sex beginnt, sondern routinemäßig bei jedem planmäßigen Termin danach fragen. Danach folgen eine ausführliche Beurteilung und ein individueller Plan, der die Arbeit mit einem Psychologen oder Sexualtherapeuten, hormonelle Mittel, Medikamente, Physiotherapie und Übungen für die Beckenmuskulatur umfassen kann. Ein universelles Rezept gibt es also nicht – manchen hilft ein Gespräch und Gleitmittel, anderen eine Hormontherapie, wieder anderen ein Trainingskurs für die Muskulatur.

Warum man überhaupt darüber spricht

Der Autor der Übersichtsarbeit merkt an: Viele Ärzte sind schlicht nicht darin geschult, nach der sexuellen Gesundheit zu fragen. Daher auch die Statistik – Frauen leben jahrelang mit einem Problem und halten es für einen Teil des „normalen“ Lebens nach der Geburt oder im reiferen Alter. Eine bessere Ausbildung für Mediziner und die Teamarbeit verschiedener Fachleute werden nach Ansicht des Autors dazu beitragen, früher zu diagnostizieren und effektiver zu behandeln.

Das bedeutet nicht, dass Ihnen morgen in jeder Praxis eine Lösung angeboten wird. Aber Sie können die Initiative selbst ergreifen: Sagen Sie beim Termin beim Gynäkologen oder Urologen direkt, was Sie belastet. Zum Beispiel: „Meine Lust ist vermindert“ oder „Ich habe Schmerzen beim Sex“. Das ist eine legitime medizinische Frage, und Sie haben ein Recht auf Hilfe.

Was Sie gleich jetzt ausprobieren sollten

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, einmal im Jahr eine planmäßige Untersuchung wahrzunehmen, und notieren Sie sich vorab die Fragen, die Ihnen peinlich sind, laut zu stellen. Wenn der Arzt das Thema abtut, suchen Sie einen anderen – heute absolvieren immer mehr Fachleute eine Zusatzausbildung in Sexualmedizin. Und denken Sie daran: Was Sie erleben, macht Sie nicht „falsch“. Es ist einfach ein Anlass, Klarheit zu gewinnen.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Addressing Female Sexual Dysfunction. — U.S. National Library of Medicine