Wer sitzt tatsächlich häufiger in Dating-Apps: Männer oder Frauen?

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Wer sitzt tatsächlich häufiger in Dating-Apps: Männer oder Frauen?
Foto: JillWellington / Pixabay

Haben Sie sich jemals gefragt, warum es in Dating-Apps scheinbar immer mehr Männer als Frauen gibt? Oder warum Freundinnen über die Erschöpfung durch endloses Swipen klagen, während Männer stundenlang dort sitzen können? Wir haben uns entschlossen, herauszufinden, was die Wissenschaft darüber sagt, wie unterschiedlich Männer und Frauen solche Dienste nutzen und was dabei herauskommt. Spoiler: Es gibt Unterschiede, und sie beeinflussen Ihre Gesundheit.

Was die Wissenschaft herausgefunden hat

Die Forscher sammelten Daten aus 22 ernsthaften wissenschaftlichen Arbeiten, die Nutzer von Dating-Apps von 2008 bis 2025 beobachteten. Es stellte sich heraus, dass Männer sich tatsächlich häufiger bei solchen Diensten anmelden – die Wahrscheinlichkeit, dort einen Mann zu finden, ist fast doppelt so hoch wie die, eine Frau zu finden (für Zahlenliebhaber: Koeffizient 0,46). Aber das ist nicht das Interessanteste.

Als es um sexuelle Gesundheit ging, wurde das Bild noch interessanter. Bei Frauen, die in Dating-Apps aktiv sind, treten sexuelle Funktionsstörungen seltener auf als bei Männern. Einfacher ausgedrückt: Frauen klagen seltener über Probleme mit Erregung, Lubrikation oder Orgasmus. Männer hingegen berichten häufiger über solche Schwierigkeiten. Die Forscher betonen jedoch: Das bedeutet nicht, dass Apps Männer impotent machen, aber es gibt einen Zusammenhang.

Was ist mit STI und Gelegenheitssex?

Hier die Überraschung: Entgegen den Stereotypen fanden die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Anzahl der Gelegenheitssex-Kontakte, die sie über Apps knüpfen. Es gab auch keinen Unterschied in der Häufigkeit von sexuell übertragbaren Infektionen. Man kann also nicht sagen, dass Männer rücksichtsloser und Frauen vorsichtiger sind – beide gehen gleichermaßen Risiken ein.

Das Einzige, was sich unterschied, war die Neigung, Partner online oder offline zu suchen. Männer nutzen Apps häufiger als primäre Methode der Kontaktaufnahme, während Frauen sie häufiger mit dem realen Leben kombinieren. Und noch etwas: Männer identifizieren sich in Apps häufiger als Angehörige sexueller Minderheiten (homosexuell oder bisexuell) als Frauen.

Warum es wichtig ist, das zu wissen

Wozu all diese Statistiken? Die Autoren der Studie bestehen darauf: Der Ansatz für digitale Bekanntschaften muss das Geschlecht berücksichtigen. Zum Beispiel können Programme zur Prävention von STI oder zur psychologischen Unterstützung für Männer und Frauen unterschiedlich wirken. Und wenn Sie in einer App sitzen und sich um Ihre Gesundheit sorgen – jetzt wissen Sie, dass Sie nicht allein sind und dass Ihre Sorgen wissenschaftlich fundiert sind.

Was Sie als Nächstes tun sollten

Wenn Sie Dating-Apps aktiv nutzen, geraten Sie nicht in Panik. Denken Sie einfach an die Risiken und lassen Sie sich regelmäßig auf STI testen, unabhängig davon, wer Sie sind. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Sexualleben nicht so läuft, ist das ein Grund, mit einem Arzt zu sprechen, nicht sich selbst oder der App die Schuld zu geben. Letztendlich sind Statistiken nur Zahlen, und Ihre Gesundheit liegt in Ihren Händen.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Sex differences in digital dating app use and app-mediated sexual and health outcomes: a systematic review and meta-analysis. — U.S. National Library of Medicine