Was passiert mit dem Sex, wenn man Psychedelika ausprobiert? Eine ehrliche Analyse

Quelle: International Society for Sexual Medicine
Was passiert mit dem Sex, wenn man Psychedelika ausprobiert? Eine ehrliche Analyse
Foto: Vitaly Gariev / Pexels

Haben Sie sich jemals gefragt, was mit dem Sex passiert, wenn man Psychedelika hinzufügt? Es gibt viele Mythen zu diesem Thema: Manche erzählen von unglaublichen Empfindungen und spiritueller Einheit, andere warnen vor "schlechten Trips" und zerstörter Psyche. Wir haben uns entschieden, herauszufinden, was die Forschung sagt, und ehrlich zu erklären, wo die Wahrheit liegt und wo Marketing oder Angstmacherei.

Warum dieses Thema überhaupt aufkommt

Psychedelika sind Substanzen, die Bewusstsein, Wahrnehmung und Stimmung verändern. Dazu gehören sowohl "Klassiker" wie LSD und Zauberpilze als auch modernere Substanzen wie MDMA (Ecstasy), Ketamin, Ayahuasca und Ibogain. Sie wirken über Serotonin – das sogenannte "Glückshormon", das sowohl die Stimmung als auch das sexuelle Verlangen und den Orgasmus beeinflusst.

Die Forschung zu diesem Thema läuft bereits seit mehreren Jahrzehnten – seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und Wissenschaftler haben tatsächlich herausgefunden, dass bei manchen Menschen der Sex unter Psychedelika intensiver wird: Die Empfindungen schärfen sich, der Orgasmus ist intensiver, und die Zeit scheint sich zu dehnen. Aber es gibt auch eine Kehrseite, über die viel seltener gesprochen wird.

Was die Wissenschaft über "Erleuchtung" im Bett sagt

In einer Studie verglich man Menschen, die regelmäßig Zauberpilze konsumieren, mit Patienten, die Antidepressiva einnehmen (diese wirken ebenfalls über Serotonin). Es zeigte sich: Pilzliebhaber waren offener für sexuelle Experimente, kommunizierten besser mit dem Partner und empfanden Sex sogar als etwas Spirituelles. Das klingt verlockend – aber wichtig ist zu verstehen, dass dies nur eine Seite der Medaille ist.

Eine Verstärkung der Empfindungen ist – ja, möglich. Aber nur wenn es sich um einmaligen Konsum in geringer Dosis handelt. Wenn Psychedelika jedoch zur Gewohnheit werden, kehrt sich der Effekt ins Gegenteil um.

Und hier ist die Kehrseite: Was bei Missbrauch passiert

Wissenschaftler warnen: Übermäßiger Konsum von Psychedelika schadet dem Sex eher, als dass er hilft. Studien zeigen, dass bei Missbrauch die sexuelle Funktion leidet. Bei Männern können Probleme mit der Erektion, vorzeitiger Samenerguss oder Schwierigkeiten beim Erreichen des Orgasmus auftreten. Bei Frauen – Mangel an Gleitmittel, Schmerzen beim Eindringen und ebenfalls Probleme mit dem Orgasmus. Und bei beiden Geschlechtern – eine Abnahme der Libido, also des Verlangens.

Das ist kein Zufall: Substanzen, die das Serotoninsystem ständig "bombardieren", erschöpfen es letztendlich. Das Gehirn gewöhnt sich an die Stimulation und reagiert nicht mehr auf natürliche Erregungssignale.

Das Schlimmste ist nicht der "schlechte Trip", sondern unüberlegte Handlungen

Selbst der einmalige Konsum von Psychedelika verringert die Fähigkeit, ausgewogene Entscheidungen zu treffen. Und das ist ein direkter Weg zu riskantem Sexualverhalten: Sex ohne Kondom, Gelegenheitskontakte, und manchmal auch zu Situationen, in denen eine Person keine informierte Einwilligung geben kann. Die Folge sind Infektionen, ungewollte Schwangerschaften oder emotionale Traumata.

Außerdem: Vergessen Sie nicht, dass diese Substanzen Angst, Panik, Blutdruckschwankungen und Übelkeit verursachen können. Und es besteht das Risiko der Entwicklung einer Abhängigkeit, die selbst eine ernsthafte Erkrankung ist, die professionelle Hilfe erfordert.

Was ist das Fazit?

Kurz gesagt: Einmaliger Konsum von Psychedelika kann die Empfindungen verstärken und den Sex sogar "tiefer" machen, aber es ist eine Lotterie – zu viel hängt von der Dosis, der Stimmung und der Umgebung ab. Systematischer Konsum dagegen wird Ihr Sexualleben mit ziemlicher Sicherheit verschlechtern. Wenn Ihnen also angeboten wird, das "Bewusstsein im Bett zu erweitern", denken Sie zweimal nach: Vielleicht ist es besser, einfach mehr Romantik und Kommunikation hinzuzufügen, statt Chemie.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: How Do Psychedelic Drugs Impact Sexual Health? — International Society for Sexual Medicine