Sex nach der Geburt: Warum „wieder wie vorher“ nicht das Hauptziel ist

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Sex nach der Geburt: Warum „wieder wie vorher“ nicht das Hauptziel ist
Foto: blankita_ua / Pixabay

„Wann wird alles wieder normal?“ – und wenn nicht?

Nach der Geburt warten viele auf eines: dass Sex wieder so wird wie früher. Aber was, wenn die richtige Frage anders lautet? Wissenschaftler haben mit 20 Frauen gesprochen, die in den letzten zwei Jahren geboren haben, und herausgefunden: Sexuelle Gesundheit nach der Geburt bedeutet nicht die Rückkehr zur Vergangenheit, sondern die Suche nach einer neuen Normalität. Und diese Suche betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Beziehung und die Art, wie sich die Frau in ihrer neuen Rolle fühlt.

Der Körper hat sich verändert – und das muss man akzeptieren, nicht ertragen

Das Erste, was die Teilnehmerinnen ansprachen: Die Lust „verschwindet“ nicht einfach, sie braucht Zeit und Bedingungen. Müdigkeit, Schmerzen, ungewohnte Empfindungen im Körper, ein verändertes Selbstbild – all das beeinflusst die Intimität. Die Frauen beschrieben dies als einen Anpassungsprozess, nicht als einen Defekt, der dringend repariert werden muss. Manchen half die Zeit, anderen Gespräche mit dem Partner, wieder anderen einfach das ehrliche Eingeständnis: „Jetzt ist es eben so.“

Die Geburt hinterlässt Spuren – und nicht nur körperliche

Auch die Erfahrung der Geburt selbst erwies sich als wichtig. Bei den einen stärkte sie das Selbstvertrauen und die Kraft, bei den anderen löste sie Angst, Schmerz oder ein Gefühl der Entfremdung vom eigenen Körper aus. Diese Gefühle verschwinden nach der Entlassung nicht – sie können jahrelang beeinflussen, wie eine Frau Sex wahrnimmt. Und wenn man nicht darüber spricht, bleiben sie ein dunkler Fleck.

Mutter und Geliebte: Wie lässt sich das vereinbaren?

Nach der Geburt eines Kindes verändert sich der gesamte Alltag. Die Paarbeziehung ist nicht mehr selbstverständlich. Die Teilnehmerinnen berichteten, dass sie manchmal neue Wege fanden, einander nahe zu sein – nicht nur durch Sex. Und manchmal verloren sie sich zwischen der Rolle der fürsorglichen Mutter und der Rolle der begehrenswerten Frau. Das ist keine Pathologie, sondern ein normaler Teil der Umstellung. Wichtig ist, dass jemand an ihrer Seite ist, mit dem man ohne Scham darüber sprechen kann.

„Haben Sie es schon versucht?“ – die falsche Frage

Die unangenehmste Erkenntnis: Die meisten Frauen erhielten von medizinischem Personal wenig Unterstützung. Die Gespräche drehten sich hauptsächlich um Verhütung und die Frage, ob sie wieder vaginalen Sex haben. Alles andere – Verlangen, Lust, Unbehagen, Beziehung – blieb außen vor. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: Die postpartale Betreuung sollte nicht länger auf „Darf man schon?“ reduziert werden, sondern sexuelle Gesundheit umfassender ansprechen. Es geht nicht darum, „alles wieder wie vorher“ zu machen, sondern darum, dass die Frau sich wohlfühlt – in ihrem Körper, in der Partnerschaft und in ihrem Leben.

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Sexual health after childbirth: a qualitative study of women's experiences. — U.S. National Library of Medicine